Die ME262 als Uhr: Sturmvogel am Handgelenk






Der erste einsatzfähige Düsenjäger der Welt, die Messerschmitt 262, gilt heute nicht nur unter Fachleuten als ein Klassiker der Luftfahrttechnik. Doch nicht nur seines revolutionären Antriebs wegen ist die ME 262 eine Ikone; den Messerschmitt-Ingenieuren gelang, wenn auch wohl eher unbeabsichtigt, ein bis heute bewundertes Design von schwer zu übertreffender Leichtigkeit, Harmonie und Eigenständigkeit. „Schönheit“ mag ein für ein Kriegsgerät unpassender Begriff sein, aber auf die ME 262 trifft er sicher zu. Seit 1939 in der Entwicklung, kam sie aber erst 1944 zum Einsatz. Als Aufklärer, Jäger und Bomber wurde die ME 262 in zahllosen Varianten hektisch modifiziert und erprobt; die schließlich eingesetzten Maschinen spielten angesichts der alliierten Luftüberlegenheit keine wesentliche Rolle mehr.

Umso größer war bei Kriegsende das Interesse der Alliierten an diesem Wundervogel, der mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 870 km/h das bei weitem schnellste Flugzeug seiner Zeit war. Amerikaner, Engländer und Sowjets sicherten sich eine ganze Reihe flugfähiger Exemplare, integrierten sie in ihre eigene Luftwaffe oder benutzten sie als Schulungsflugzeuge. In der Tschechoslowakei entstand sogar eine eigene Fertigung, in der unmittelbar nach Kriegsende immerhin noch zehn ME 262 (unter der tschechischen Bezeichnung S-92 und DS-92) gebaut wurden. Rechnet man die Flugzeuge dieser Baureihe mit, so existieren heute noch 10 Originale der ME 262, davon vier in den USA, zwei in Tschechien und jeweils eine in Deutschland, Großbritannien, Australien und Südafrika.

Somit fast zu einem technischen „Welterbe“ geworden, beschäftigt die ME 262 noch heute die Phantasie von Luftfahrt-Enthusiasten vieler Länder. Seit Willy Messerschmitt 1972 eine Studie in Auftrag gab, die sich mit dem Bau einer wesentlich leistungsfähigeren ME 262 befasste, geisterte das Thema durch Konstruktionsbüros und Fliegerkreise. Sogar die alten Letov-Werke in Tschechien, wo seinerzeit die ME 262 nachgebaut wurde, waren Ziel von Nachforschungen ­– aber vergeblich. Doch jetzt, 30 Jahre nach der Messerschmitt-Studie und 60 Jahre nach dem Erstflug, ist es doch wahr geworden: Am 25. November 2002 hob die erste nachgebaute ME 262 vom Boden des Paine Field in Everett/USA ab – wenn auch nur für einen Hüpfer von ca. 1,5 m. Aber der Anfang war gemacht! Weitere – erfolgreiche – Testflüge folgten, und noch 2003 soll eine nagelneue zweisitzige ME 262 nach Deutschland kommen. Sie wird am Sitz der Messerschmitt-Stiftung in Manching öffentlich zu bewundern sein – am Boden und in der Luft.

Von der ME 262 begeistert war auch der Pforzheimer Uhrenmacher Hansjörg Vollmer, der, gleichsam autorisiert von der Messerschmitt-Stiftung, eine Uhr im Geiste des legendären „Sturmvogels“ entwarf. Jetzt, zur Weltmesse für Uhren und Schmuck Basel 2003, wird sie vorgestellt: Eine kraftvolle, stattliche Uhr, Edelstahl, 44 Millimeter im Durchmesser, wasserdicht bis 50 m, ausgestattet mit einer 10-mm-Zwiebelkrone, genietetem Lederarmband und einem verglasten und verschraubten Boden. Jedes Exemplar ist fortlaufend nummeriert und im Inneren mit feinreguliertem 2824-2 Automatic-Werk und dekoriertem Rotor „ausgerüstet“.
Die ME 262 wird in den Variationen schwarzes Zifferblatt („Schwarze X“), weißes Zifferblatt („Weiße 3“) und Super-Luminova-Leuchtzifferblatt („Gelbe 7“) angeboten, wobei die Bezeichnungen an drei der tatsächlich noch erhaltenen Originale erinnern.


 

Wer möchte, kann sich für die Kleinigkeit von 2 Millionen Dollar in den USA seine eigene ME 262 bestellen, ein fürwahr exklusiver Privatjet. Der Haken dabei: Triebwerke und Instrumente gehen extra.
  ME 262 - Prospekt zum download pdf