ARISTO B-UHR „SEXTANT“: 65 Jahre lang gereift

Sextant Ständig wechselt die Mode. Es fehlt die Zeit für Entwicklungsarbeit. Nur noch wenige Uhren-Modelle erreichen ihren optimalen Reifegrad.

Die ARISTO „SEXTANT“ im 44mm-Gehäuse hat sich den Luxus geleistet, erst nach einer Reifezeit von 65 Jahren den Höhepunkt ihrer Karriere zu erklimmen. Nun wurde diese Replik einer B-Uhr (Luftwaffe-Beobachtungsuhr) nominiert für die Wahl zur „Uhr des Jahres 2008“.

Hansjörg Vollmer, Chef der ARISTO VOLLMER GmbH in Pforzheim, hatte 1998 bei seinen Archiv-Recherchen diese Modifikation der B-Uhr entdeckt. Weil sie nur in geringen Stückzahlen für einen handverlesenen Kreis gefertigt worden war, geriet die „Sextant“ in Vergessenheit. Dabei steht sie gleichberechtigt neben den Fliegeruhren-Klassikern "Beobachter", "Bomber" und "Navigator".

Das wesentliche Merkmal der „Sextant“ ist die Spiegelschrift-Indikation. Dieses Zifferblatt-Design verdanken wir dem späteren NASA-Pionier Wernher von Braun. Als er in Peenemünde die V-Raketen entwickelte, benutzte er für die Flugbahn-Berechnung

einen - aus der Nautik bekannten Spiegelsextanten. Um ihn als Standort-Bestimmer für die Luft- und Raumfahrt einsetzen zu können, benötigte sein Team eine Uhr, die mit dem Sextanten zusammen arbeiten konnte.

Hansjörg Vollmer kann aus eigener Erfahrung bestätigen: „Wenn ich eine Sextant-Armbanduhr trage, werde ich immer wieder nach der Bedeutung der spiegelverkehrten Ziffern gefragt. Diese Zifferblatt-Gestaltung war notwendig, damit sich die Uhr mit der Visiereinrichtung eines Spiegelsextanten ergänzen konnte.“

Die Uhrenfabrik Lange & Söhne in Glashütte lieferte 22 Sextant-Uhren im Jahre 1943 an die Wehrmacht aus für einem Stückpreis von 360 RM, was 2.000 Euro entspricht. Dieses hochwertige B-Uhr-Sondermodell war eine Offiziersuhr, die nach Abschluss der Berechnungen dem Vorgesetzten zurückgegeben wurde - ähnlich wie alle B-Uhren, die nach Rückkehr von einem Flug dem Staffelkommandanten ausgehändigt wurden.

Eine kleinere SEXTANT-Replik wurde von ARISTO ab dem Jahre 2001 zunächst nur für den US-Markt in Pforzheim produziert. Bei der Gestaltung orientierten sich die ARISTO-Designer streng am Luftwaffe-Pflichtenheft: "Schwarzes Zifferblatt mit römischen Zahlen, 1/5-Sekunden-Indikationen mit arabischen Zahlen 5 bis 55 und entsprechende Zahlenreihe in Spiegelschrift".

Beim Sextant-Uhrengehäuse hatte Lange & Söhne grau mattiertes Messing verwendet. Hansjörg Vollmer wählte für seine XL-Version einen glasperlgestrahlten Edelstahl. Dieses Material entspricht farblich perfekt dem Original, es ist ihm wegen seiner Trage-Eigenschaften allerdings weit überlegen.

Mit einer Wasserdichtheit bis 5 atm und ihrem kratzfesten Saphirglas übertrifft die ARISTO B-UHR „SEXTANT“ ebenfalls ihre Vorgängerin. Die Zwiebelkrone ist nicht nur eine nostalgische Reminiszenz an die klassischen Fliegeruhren, sondern erweist sich immer noch als überaus praxistauglich. Der Gehäuse-Durchmesser beträgt 44 mm. Das doppelt genietete Riemenband wertet diese Replik für den Liebhaber von Mechanik- und Fliegeruhren zusätzlich auf.

Das Innenleben der ARISTO B-UHR „SEXTANT“ würde die Weltraum-Pioniere ebenfalls zufrieden stellen. Denn sie könnten wählen zwischen dem Automatic-Werk ETA 2824-2 oder dem ETA 2801 Handaufzug. Damit haben die Leser von „Welt am Sonntag“ und der Zeitschrift „Armbanduhren“ (Heel Verlag) sogar zwei Gründe, die ARISTO B-UHR „SEXTANT“ zur „Uhr des Jahres“ zu wählen.