Aristo Vollmer: Alles aus einer Hand

„110 Jahre sind eigentlich kein Grund zum Feiern“, findet Hansjörg Vollmer, CEO der Aristo Vollmer GmbH in Pforzheim. „Doch als wir 2017 mit dem German Design Award ausgezeichnet wurden, war mal wieder einer von diesen Momenten, in denen wir die Uhr anhalten und uns erinnern sollten“.
Der Aristo-Firmenchef erinnert sich: „1907 gründete der Uhrmacher Julius Epple in Pforzheim die ARISTO Uhren- und Uhrgehäusefabrik. 30 Jahre später lieferte er seine ersten Miltäruhren an das Reichsluftfahrtministerium. Weitere 80 Jahre danach wird unsere Replik einer in Fliegerkreisen legendären B-Uhr als Design-Klassiker gewürdigt.“
1998 hatte Hansjörg Vollmer den Aristo-Firmenmantel erworben. „Mit dieser legendären Uhrenmarke übernahm ich einzigartige Werkzeuge und Uhrgehäuse, außerdem die alten Musterbücher und wertvolles Archivmaterial. Das waren ideale Startbedingungen für den Wiederaufbau eines Uhren-Labels.“
Aristo hatte sich im Gegensatz zu anderen deutschen Uhrenherstellern keineswegs an Vorbildern aus der Schweiz orientiert. Mit einer als „Pforzheimer Design“ bekannt gewordenen Zifferblatt-Gestaltung setzte Aristo in den 1960ern sogar einen weltweit kopierten Maßstab.
Hansjörg Vollmer: „Einige Kollegen haben mir bestätigt, dass unsere aktuelle Classic-Uhrenserie das ‚Pforzheimer Design‘ effektvoller zur Geltung bringt, als die damaligen Zifferblatt-Designer es sich erträumt hatten. Dank Airbrush-Technik können wir die changierenden Farben heute feiner abgestuft ineinander verlaufen lassen.“
Die Nachfahren von Julius Epple hatten die Firma Aristo weiterentwickelt zu einem renommierten Hersteller von alltagstauglichen Armbanduhren. Vor allem strapazierfähige Herrenuhren und Uhrgehäuse verließen jedes Jahr in Stückzahlen von bis zu einer Million Exemplaren die Aristo-Produktionsstätten in Pforzheim.
„Als ich die Firma übernahm, wollte ich vor allem kleine Editionen von Vintage-Uhren fertigen, die mit vollen Recht ihre Herkunftsbezeichnung ‚Made in Germany‘ tragen. Am meisten hatten mich immer schon die Aristo-Militäruhren fasziniert. Diese technisch ausgereiften und schnörkellos gestalteten Uhren treffen auch den Geschmack meiner Freunde aus der Motorsport- und Flieger-Szene.“
Mit Fliegeruhren „Made in Germany“ erwarb Hansjörg Vollmer sich in den USA und Japan schnell einen guten Ruf als Uhrenmacher. „Als dieses Marken-Revival in Europa bekannt wurde, interessierten sich die Uhrenkenner und Sammler auch hierzulande für die Produkte von Aristo Watch.“
Der Aristo-Chef will nicht nur die Geschichte der Pforzheimer Uhren-Industrie aufarbeiten. „Kreative Uhrenmacher hatten immer schon alle technischen Möglichkeiten ihrer jeweiligen Zeit ausgeschöpft. Ich betrachte die neuen Werkstoffe als meine Herausforderung für die Zukunft.“
Mit der Uhrenserie „Carbon“ lieferte Hansjörg Vollmer 2010 einen weiteren Grund zum Feiern. Sein Großvater hatte 1922 die Uhrband-Manufaktur Ernst Vollmer gegründet. Diese Traditionsfirma entwickelt und produziert heute zusammen mit Aristo Watch unter einem Dach neue Uhren-Konzepte, bei denen sich zeitgemäßer Materialmix und altbewährte Handwerkskunst harmonisch miteinander verbinden.